KOOPERATIONEN UND
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/// „Schule INKLUSIVE Kulturelle Bildung“ – Bemerkungen zum EDUCULT-Projekt



EDUCULT ist ein unabhängiges, europäisches Institut für Kultur, Bildung und Politik in Wien. Im Projekt „Schule INKLUSIVE Kulturelle Bildung“ forscht es gemeinsam mit den Schulverwaltungen der beteiligten Länder und Städte. Gesucht werden die strategischen Vorgaben, welche notwendig sind, um Kulturelle Bildung in Schulen zu verankern. Ergebnisse des Projektes sind ein Praxisleitfaden und ein modulares Qualifizierungskonzept. So kommentiert der EDUCULT Geschäftsführer Michael Wimmer das Projekt:

2015 haben sich die Schulverwaltungen von Berlin, Wien sowie – als assoziierter Partner – die Erziehungsdirektion des Kantons Bern dazu entschlossen, im Rahmen eines Erasmus+-Projektes neue Wege der Implementierung von Kultureller Bildung in der Schule zu erproben. Zusammengefunden hat sich auf diese Weise eine Reihe von Lehrer*innen, die zusammen mit Vertreter*innen der Schulaufsicht sowie außerschulischen Kunst- und Kulturvermittler*innen die Möglichkeiten der Beschäftigung mit Kunst und Kultur als Motor von Schulentwicklung ausloten wollten.

Begegnung im Zentrum

Im Zentrum der Aktivitäten standen insgesamt vier Begegnungen in den Partnerstädten und dem Kanton Bern. Dabei öffneten die teilnehmenden Schulen ihre Pforten und gaben Einblick in die vielfältige Praxis Kultureller Bildung am jeweiligen Standort. Die dadurch möglichen Beobachtungen sollten Material liefern für weitergehende Überlegungen zur Implementierung von Kultureller Bildung in der Schule und in Form eines Praxisleitfadens zusammengeführt werden.

Auffällige Unterschiede der objektiven Gegebenheiten vor Ort

EDUCULT kam dabei die Aufgabe der begleitenden Qualitätssicherung zu. Die vielfältigen Beobachtungen lassen sich gegen Ende des Projektes, das für den Herbst 2017 geplant ist, zu einigen Schlussfolgerungen verdichten. Auffallend ist zum einen, dass sich die bildungspolitischen Rahmenbedingungen in den teilnehmenden Städten bzw. dem Kanton sehr unterschiedlich gestalten. So verfügt Berlin bereits seit 2008 über ein ausdifferenziertes Rahmenprogramm Kultureller Bildung, das seither mit einem Bündel an Maßnahmen in den einzelnen Schulstandorten implementiert und konkretisiert wurde. Dieser Top-down-Approach verpflichtet alle Akteursgruppen, Kulturelle Bildung als eine Querschnittsmaterie im Zuge der Berliner Schulentwicklung neu zu gewichten.

Im Vergleich dazu stellt die Situation in Wien eine Art Gegenpol dar, wenn sich die Wiener Schulverwaltung (Stadtschulrat für Wien) bislang zu keinerlei konzeptiven Vorgaben im Bereich der Kulturellen Bildung entschließen konnte. Entsprechend stehen ihr – weitgehend unvermittelt – einzelne Schulstandorte gegenüber, die zum Teil sehr beeindruckende Umsetzungsformen gefunden haben, in ihrer Isoliertheit aber keinerlei strukturbildende Kraft zu entfalten vermögen. Als eine Konsequenz will das Rad mit Hilfe einiger weniger besonders engagierter Lehrkräfte, zum Teil gegen heftige strukturelle Widerstände, immer wieder neu erfunden werden.

Auch im Kanton Bern existiert kein elaboriertes Gesamtkonzept; dafür wurden für die einzelnen Schulstandorte eine Reihe von Begleit- und Unterstützungsmaßnahmen ins Leben gerufen, um engagierten Kolleg*innen das Leben zu erleichtern.

Ähnlichkeiten: das Tellerrandproblem und Einzelkämpfer*innen

Ungeachtet dieser beträchtlichen strukturellen Unterschiede zeigen sich Ähnlichkeiten, wo es um das Verhältnis einzelner Kulturprojekte in der Schule und deren gesamter Profilbildung geht. Offenbar sind an allen drei Standorten die institutionellen Beharrungskräfte so stark, dass es schwer fällt, über den Tellerrand individueller Projektorganisation hinauszublicken. Ja, den Teilnehmer*innen war klar, dass die Profilbildung zur Kulturschule mehr ist als die Summe von Einzelprojekten. Und doch war – auch im Rahmen der Beobachtungen vor Ort – die Versuchung groß, die jeweils vorgestellten Einzelaktivitäten zum Maßstab zu machen und nicht die Schulentwicklung als Ganzes, für die es tendenziell einzelkämpferischen Lehrkräften* aufgrund der strukturellen Vorgaben offenbar nach wie vor schwer fällt, sich an der schulischen Gesamtkonzeption zu beteiligen. Jedenfalls fiel uns auf, dass Überlegungen zur gesamten Schulentwicklung als essentielle Grundlage zur Einschätzung der besonderen Qualitäten jeweiliger Einzelprojekte Kultureller Bildung immer wieder auf Vorbehalte gestoßen sind. Das betrifft auch Reaktionen von Seiten der außerschulischen Kooperationspartner*innen (Künstler*innen, Kunst- und Kulturvermittler*innen), deren Leistungen zwar zunehmend gerne punktuell in Anspruch genommen werden, konzeptionell als Partner*innen einer kulturellen Profilbildung jedoch ungebrochen außen vor bleiben.

Inklusion als elementare Leitlinie schulischer Praxis?

Von Interessierten* wurden wir immer wieder auf den Titel des Projekts „Schule INKLUSIVE Kulturelle Bildung” angesprochen. Sie wollten vor allem wissen, in welcher Weise der Inklusions-Aspekt bei der Realisierung von Bedeutung war. Auch in diesem Zusammenhang tut sich nach einer ersten Einschätzung ein Widerspruch auf, wenn allen Beteiligen* die Behauptung gemeinsam ist, Kulturelle Bildung wäre in besonderer Weise dafür geeignet, Inklusion in mannigfacher Weise zu befördern. Dieser normative Anspruch spiegelte sich hingegen nur sehr peripher im konkreten Projektverlauf wider. Immerhin hatten konkrete Inklusionsmaßnahmen und der besondere Einfluss Kultureller Bildungsmaßnahmen keinen besonderen Schwerpunkt im Diskussionsverlauf.

Der positive Schluss, der sich daraus ziehen lässt, läuft darauf hinaus, dass die teilnehmenden Schulstandorte, die sich mit einigem Recht als Modelle von Good Practice aktueller Schulentwicklung verstehen, Inklusion immer schon als elementare Leitlinie schulischer Praxis verstehen, die – mit oder ohne Kulturelle Bildung – keiner besonderen Erörterung mehr bedarf. In dem Maß, in dem diese Schulen auf Individualisierung setzen, nehmen sie die Vielfalt der Persönlichkeiten ihrer Schüler*innen immer schon als gegeben an. Da es sich beim Projekt um kein Forschungsvorhaben gehandelt hat, konnte die gemeinsame Überzeugung, dass Maßnahmen der Kulturellen Bildung in der Realisierung einer solchen Grundhaltung einen signifikanten Zusatznutzen zu erbringen vermögen, in Ermangelung aussagekräftiger Primärdaten weder verifiziert noch falsifiziert werden.

Diversität als treibende Kraft

Insgesamt war es gerade die große Unterschiedlichkeit der Teilnehmer*innen (bzw. ihrer beruflichen Hintergründe), die wesentlich zur Qualität des Projektes beigetragen hat. Nicht verwunderlich, dass es da und dort auch zu Konflikten gekommen ist, die im Gegenzug Lernen überhaupt erst ermöglicht haben. Insgesamt war das Projekt ein sehr lebendiger Beweis dafür, dass zurzeit Schulentwicklung sehr unterschiedlich verhandelt wird, aber dass sie stattfindet und dass dabei Kunst und Kultur eine wichtige Funktion wahrnehmen können.

Im Auftrag der Österreichischen Nationalagentur entwickelt EDUCULT zur Zeit eine Handreichung, die auf der Grundlage der bestehenden Forschungslage Schulstandorte, die an dem Projekt nicht teilgenommen haben, sich aber für die Idee einer kulturellen Schulprofilbildung interessieren, über Möglichkeiten (aber auch Schwierigkeiten) einer solchen Initiative informieren. Auch diese Handreichung wird im Schuljahr 2017/2018 hier verfügbar sein.

Weitere Informationen

Mehr erfahren: Projekt „Schule INKLUSIVE Kulturelle Bildung“ von EDUCULT Wien

Projektergebnisse sind: Praxisleitfaden für die Implementierung Kultureller Bildung an Schule von EDUCULT sowie ein modulares Qualifizierungskonzept, dass die nachhaltige Wirkung Kultureller Bildung unterstützt.

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