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/// Ganz konkret – das Düsseldorfer Modell für Kulturelle Bildung



10.12.2012 - Konkret und kommunal - das Düsseldorfer Konzept betont die Bedeutung Kultureller Bildung als integrativer Bestandteil von Bildung

Einzelkämpfer war gestern, kommunal ist heute

Konkret und kommunal – das Düsseldorfer Konzept betont die Bedeutung Kultureller Bildung als integrativer Bestandteil von Bildung. "Und das hat uns auf Augenhöhe mit den anderen Bildungsbereichen gebracht", sagt Dr. Petra Winkelmann. Sie ist stellvertretende Kulturamtsleiterin mit der dezernatsübergreifenden Verantwortung für Kulturelle Bildung in Düsseldorf. Verlässlichkeit zeigen, lautet ihre Devise. Und: Es fruchtet.

2007 und 2009 hat Düsseldorf die Auszeichnung im NRW-Landeswettbewerb "Kommunale Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung" erhalten. Im Jahr 2000 hätte nicht nur in Düsseldorf der Titel der Auszeichnung Stirnrunzeln ausgelöst. Gesamtkonzepte? Vernetzung? Fehlanzeige. Die entstanden erst in den vergangenen Jahren. Dr. Petra Winkelmann hat daran als stellvertretende Kulturamtsleiterin mit der dezernatsübergreifenden Verantwortung für Kulturelle Bildung in Düsseldorf mitgewirkt. Und die Reise geht weiter -  hin zu einem kommunalen Gesamtkonzept für Kulturelle Bildung in einer Bildungslandschaft. Das Kultur macht Schule-Team hat nachgefragt:

 

Was unterscheidet für Sie eine Bildungslandschaft von einem Bildungsinseln-System? 

Eine Bildungslandschaft ist in meinen Augen etwas Vernetztes. Etwas, das systematisch  und konzeptionell zusammenarbeitet. Eine Bildungslandschaft baut aufeinander auf und ist aufeinander abgestimmt. Und unter "Bildungsinsel" wären dann immer mal wieder vereinzelte Projekte und Kooperationen zu fassen. Ich finde allerdings, dass beides sehr wichtige Bestandteile von Bildung sind und gemeinsam kennzeichnen sie eine Bildungslandschaft.

Sie wollen Bildungsinseln also auch beibehalten? 

Wir arbeiten grundsätzlich an einer Bildungslandschaft. Also daran, alles konzeptionell miteinander zu vernetzen. Das ist natürlich eine Frage von Möglichkeiten und Ressourcen. Wir müssen zwangsläufig auf Insellösungen in Form von Projekten zurückgreifen. Was aber nicht negativ zu verstehen ist. Wir bemühen uns dann aber darum, dass diese einzelnen Projekte konzeptionell als Bausteine für die Bildungslandschaft Düsseldorf funktionieren und Sinn machen.

Haben Sie in Düsseldorf bei Aufnahme ihrer Arbeit im Jahr 2000 zunächst einmal eine Koordinierungsstelle eingerichtet? 

Nein. Zuerst haben wir überlegt, wo die Schnittstellen der zu beteiligenden Fachbereiche liegen. Dann haben wir versucht, die Zusammenarbeit in Projektform zu bringen. Als das erste gemeinsame Projekt ist die Programmreihe "Jugend, Kultur und Schule" entstanden, in der wir die Partner aus Jugend, Schule und Kultur zusammen gebracht haben, um dann erst mal in der praktischen Projektarbeit miteinander gegenseitiges Verständnis zu erarbeiten und aufzubauen. Die Projektkoordinierung hatte damals ich übernommen, das war aber auf die praktische Zusammenarbeit bezogen – nicht auf eine zentrale Koordinierung wie wir sie heute haben. Die hat sich erst über Jahre entwickelt.

Kommunale Gesamtstrategien sollen näher zum Ziel "Kultur für alle" führen. Sie sagen, dazu braucht es Kontinuität und Verlässlichkeit. Diese Forderung beziehen Sie interessanterweise nicht primär auf die anderen ...

Also, ich wünsche das natürlich auch von den anderen. Und das erlebe ich auch. Aber, ich sehe erst mal mich selbst in der Pflicht. Indem ich mich als verlässlicher Partner für alle Fachbereiche und alle anderen, die hier in Düsseldorf an dem Thema arbeiten, verstehe. Also, das heißt, dass ich sowohl mit Kulturinstituten als auch mit Künstlern und den Fachverwaltungen Schule und Jugend eng zusammenarbeite. So, dass Kultur als im System Bildung mitzudenkender Bildungspartner wahrgenommen wird.

Wie haben Sie denn bewirkt, dass Sie als systematisch mitzudenkender Bildungspartner wahrgenommen werden? 

Ja, praktisch! Solche Sachen können Sie nur praktisch machen. Das geht über die Arbeit. Also, wir haben angefangen mit dem Projekt "Jugend, Kultur und Schule". Da haben wir unsere ersten Erfahrungen gesammelt in der Zusammenarbeit mit Schulen. Wir haben herausgefunden, wie Schulen arbeiten, was Schulen brauchen, wie die anderen Fachverwaltungen arbeiten. Als die Ganztagsgrundschule 2004 eingeführt wurde, hatten wir als Kommune schon grundsätzliche und ressortübergreifende Erfahrungen in der Zusammenarbeit.

Hat Ihnen diese Position einen Vorteil gebracht? 

Ja, so haben wir dann weiterblicken können und gesagt: Kulturelle Bildung, die Zusammenarbeit mit Kulturinstituten und Künstlern, soll bei uns in Düsseldorf programmatischer Bestandteil von Ganztaggrundschulen werden. Wir haben gleichzeitig die Qualität der künstlerischen Angebote in den Ganztagsgrundschulen mit einem eigenen Qualitätsmanagement verknüpft und Vermittlungs- sowie Beratungsarbeit für Verwaltung, Schulen und Künstler geleistet. Der zweite wichtige Bildungsbaustein, um Fuß zufassen, war: Wir haben uns als dauerhafter und kontinuierlich in Schulen arbeitender Bildungspartner etabliert, denn die von uns in Leben gerufene Zusammenarbeit von Künstlern und Schulen ist nicht einmalig, sondern auf Kontinuität und Ausbau angelegt.

Die aktuelle Studie vom Zentrum für Kulturforschung hebt noch einmal hervor, dass Vernetzung und regelmäßige Treffen Gesamtkonzepte und Strategien für Kulturelle Bildung wirksam machen. Sie sitzen in vielen Gremien. Da kann man sich aber auch im Netz von Endlos-Konferenzen verfangen – oder?

Wenn ich nicht weiß, was ich da will – ja! Aber es geht doch darum, für sich festzustellen: Wo ist ein konkreter Anlass für meine Arbeit? Um die thematischen Schwerpunkte, die man gemeinsam bearbeitet. Dazu treffen wir uns so häufig wie nötig. Wir haben dabei immer auch den Aspekt "Entwicklung von Qualität von Bildung" im Hinterkopf. Da gibt es Qualitätszirkel, wie z.B. der zum Ganztag in Grundschulen, in denen die Kultur genauso selbstverständlich sitzt wie die Schulverwaltung oder die Schulaufsicht. Wir sind natürlich diejenigen, die das Thema Bildung unter künstlerisch-kulturellen Aspekten betrachten. Diese Perspektive ist zentral für Kulturelle Bildung. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns ein und übernehmen Verantwortung für Bildung. Darum steht Kultur mittlerweile auf Augenhöhe mit den anderen Bildungsbereichen Jugend und Schule. Wir haben natürlich nicht den gesetzlichen Auftrag, den die anderen haben, Aber unter dem Aspekt der ganzheitlichen Bildung spielen wir eine wichtige Rolle, weil Kunst und Kultur hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Und wie sieht es mit der anderen Seite Ihrer Arbeit aus, der Kooperation mit Bildungspartnern? Wir vernetzen Sie sich da kommunal? 

Da gehen wir in die Systeme wie zum Beispiel in die Schule, Kindertagesstätten oder in den Jugendfreizeitbereich hinein. Auch hier verstehen wir uns als Bildungspartner und beteiligen uns konzeptionell und praktisch. Das ist unsere Rolle. Und zum anderen ist es dann auch meine Rolle, das Wissen, was ich in den Gremien erhalte, mitzunehmen in die Kultur, zum Beispiel in die Kulturinstitute. Dort informiere ich darüber, wo z.B. neue Bildungsschwerpunkte sind, um es den Instituten zu ermöglichen, selbst, aus ihren eigenen Inhalten heraus, zu überlegen, wie sie sich in dem Handlungsfeld positionieren wollen.

Was ist Ihnen in Bezug auf Qualitätszirkel besonders wichtig?

Dass wir in der Kultur sowohl in den Qualitätszirkeln als auch in den übrigen Gremien konzeptionell und inhaltlich abgestimmt arbeiten. Dass wir in einem Bildungskontext arbeiten, der die gesamte Stadt umfasst. Also, es muss sehr gut vernetzt werden.

Sie sagen auch, Sie sind in den Gremien, weil Sie den Anspruch haben zu repräsentieren ...

Also, es reicht natürlich nicht zu sagen: "Ich bin jetzt hier, weil die Kultur wichtig ist." Das ist nicht gemeint. Sondern, ich habe eine Rolle - Partner von den anderen zu sein - und die muss ich wahrnehmen. Dabei ist auch wichtig, wahrgenommen zu werden. Die anderen sollen ja auch meine Partner sein, denn das geht nur auf Gegenseitigkeit. Und die Wahrnehmung hat sich insofern geändert, dass wir heute als Bildungspartner an grundsätzlichen Überlegungen zur Entwicklung von Bildung in Düsseldorf beteiligt werden. Und weil unsere Partner gemerkt haben, dass sie hier Zuverlässigkeit vorfinden.

Würden Sie sagen, der Erfolg und Nachhaltigkeit von Bildungsarbeit liegt darin begründet, dass man vor Ort konkret wird?

Ja, das bedeutet praktisch: Dass die Bildungspartner, die sich an mich und meine Kollegen wenden, eine proaktive Haltung antreffen, die Probleme der anderen ernst nimmt und sich an Lösung beteiligt. Das schafft Vertrauen und bringt letztlich den Erfolg.

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