KOOPERATIONEN UND
BILDUNGSLANDSCHAFTEN

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/// Einzigartig: Kultur.Klasse



20.12.2011 - Ein Interview mit Nicole Schlosser vom Kultur- und Schulservice Bamberg über die Idee der Kultur.Klasse

In Köln hatte der Kultur und Schulservice Bamberg einen Tisch zum Thema, zu Haus eine eigene Klasse. In Wirklichkeit sind es viele Klassen, aber sie folgen alle der Idee der Kultur.Klasse. "Noch so ein Projekt, das über's Land leuchtet und verglüht?", fragen sich manche still und leise kritisch. Das Kultur macht Schule-Team hat nachgefragt: ...

 

Weshalb braucht man Kultur.Klassen? Wozu sind die gut?

Die Kultur.Klassen sind ein Bamberger Konzept zur Verankerung Kultureller Bildung in den Erziehungs- und Schulalltag.

Wie haben Sie das Konzept der Kultur.Klassen entwickelt?

Die Kultur.Klassen sind aus den Erfahrungen des Kultur- & Schulservice Bamberg der vergangenen Jahre gewachsen. Wir haben die vielfältigsten Fragen, Wünsche und Anregungen sowohl von den Schulen und den Kulturschaffenden gebündelt. Also Impulse in Sachen Kontaktaufnahme, Honorarverhandlungen, personelle, finanzielle und terminliche Abstimmungen sowie inhaltliche Vorstellungen. Daraus haben wir dann das Konzept der Kultur.Klassen entwickelt.

Und das sieht wie aus?

Bei den Kultur.Klassen wird Flexibilität groß geschrieben, das heißt das Konzept wird nicht allen Bildungseinrichtungen gleichermaßen "übergestülpt", sondern es werden die Bedürfnisse jeder Bildungseinrichtung, ja sogar jeder einzelnen Klasse oder Gruppe berücksichtigt. Jede Schule bekommt eine auf sie angepasste Kooperationsvereinbarung. Ebenso variieren die Honorare der Künstler. Es gibt ein festes Basishonorar, doch je nach Vor- und Nachbereitung, Qualifikation, Materialkosten oder sonstigem Aufwand können zusätzlich kleine Beträge verhandelt werden. Jeder Kulturschaffende bekommt ein auf ihn abgestimmten Honorarvertrag.

Bei Ihnen gibt es die Projekte aus dem Katalog. Schickt sich so etwas für ein kulturelles Angebot?

Die Präsentation von ca. 60 Anbietern mit insgesamt ca. 200 Projekten verlangt eine gewisse Übersicht. Stellen Sie sich mal vor, welche Zeit ein Lehrer oder Erzieher aufbringen müsste, um sich selbstständig einen Überblick über diese Vielfalt zu verschaffen. Wir erstellen für jede Bildungseinrichtung einen auf sie abgestimmten Projektkatalog. In diesem werden die Projekte zudem in verschiedene Kultursparten unterteilt, das verschafft weitere Übersichtlichkeit. Die Angebote sowie die Kultur-Partner werden einheitlich mit Textbeschreibung, Zielgruppe, Dauer, Ausbildung und Fotos dargestellt.

Hat dennoch was von Katalogbestellung ...

Klar, man muss aufpassen, dass es nicht zu einer reinen Katalogbestellung wird. Doch, dem wirken wir durch persönliche Gespräche grundsätzlich entgegen. Auch ein Hinweisblatt "Idealablauf einer Kooperation" oder die mit Lehrern, Erziehern und Kulturschaffenden entwickelten "Kooperationsformulare für eine bessere Absprache im Vorfeld" sind alles Komponenten für eine gelingende gemeinsame Kooperation.

Angeboten werden die Projekte den Schulen in "Einheiten". Was bedeutet das nun wieder?

Schulen arbeiten bisher zumeist in festen Strukturen mit Lehr- und Stundenplänen. Unser Ziel ist es, Kulturelle Bildung dauerhaft in den Kindergarten- und Schulalltag zu integrieren, daher ist es ein Muss, vorerst mit den gegebenen Bedingungen zu arbeiten. Und das heißt wiederum die Projektdauer in sogenannte Unterrichtseinheiten einzuteilen, um die Angebote in den Stundenplan integrieren zu können. Wobei eine Unterrichtseinheit mit 90 Minuten definiert ist und bereits dies schon zu der ein oder anderen Stundenplanverschiebung führen kann.

Was bringt die Kataloglösung den Kultur-Partnern?

Zunächst einmal erhalten die Kulturschaffenden eine ansprechende, strukturierte Darstellung ihrer Projekte, die denjenigen Lehrkräften angeboten werden, die ein wirkliches Interesse daran haben. So kann der Projektkatalog viel hilfreicher sein, als der ein oder andere Projektflyer. Zum anderen erhalten die Kultur-Partner eine Übersicht über bereits bestehende Projekte vor Ort und können somit Bedarfslücken ausfindig machen. So entstanden durch die Projektkataloge auch schon viele neue spannende Projekte, die oftmals mit Lehrern und Erziehern gemeinsam entwickelt wurden

Was haben die Schulen davon?

Die Schulen müssen nicht lange suchen. Sie bekommen einen Überblick und können zielgenau buchen. Dies ist ein Hauptmerkmal der Kultur.Klassen. Wir als Kultur- & und Schulservice von Stadt und Landkreis Bamberg übernehmen alle organisatorischen Aufgaben, damit sich die Kulturschaffenden und Bildungseinrichtungen voll und ganz auf die Umsetzung der vielfältigen Kooperationen konzentrieren können.

Und die Schüler und Schülerinnen?

Praxisbezug und Möglichkeit zur Kreativität aus kontinuierlichen Angeboten heraus. Wir haben gemerkt, dass der Effekt bei Klassen, die nicht so viel Zeit mit einem Projekt verbringen, sehr viel geringer ist.

Dieses System trifft dann auf die zweite Komponente, die Kulturklasse. Braucht man dazu nicht auch Kulturklassen-Lehrer?

Natürlich. Die Kultur.Klassen machen nur Sinn, wenn interessierte Lehrer oder Erzieher dahinter stehen. Nach diesem Prinzip haben wir die Schulen und Kindertagesstätten auch ausgesucht. Zum einen werden Kultur.Klassen in einer kompletten gleichbleibenden Jahrgangsstufe etabliert, die dritten und fünften sind hierbei sehr beliebt. Das zweite Modell spiegelt genau den von Ihnen bereits erwähnten Kultur.Klassen-Lehrer wider. Hier wechseln zwar die Jahrgangsstufen, nicht aber die Lehrkraft. Man könnte also von Kultur. Klassen-Jahrgangsstufen auf der einen und von Kultur. Klassen-Lehrern auf der anderen Seite sprechen.

Sie sind nun im zweiten Jahr Ihrer zweijährigen Pilotphase angekommen. Hat die Praxis Ihre anfänglichen Zielsetzungen zum Teil umgeschrieben?

Ja, zum Teil. Wir hatten anfangs die Idee, dass sich nach den zwei Jahren eventuell ein oder zwei Schulen zu einer Kulturschule entwickeln möchten. Doch wir haben bemerkt, dass es viel mehr Zeit braucht vorhandene Strukturen zu öffnen bis zur Bildung eines Kulturprofils. Während der zwei Jahre haben wir verstärkt für ein Bewusstsein für Kultur in Bildungseinrichtungen sensibilisiert und Interesse an dauerhaften Kooperationen geschaffen.

Was an dem Ergebnis macht Sie zufrieden?

Die ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit den Schulen und den Kulturschaffenden übersteigt unsere anfänglichen Erwartungen. Alles in allem sind wir sehr zufrieden und begeistert von den unzähligen Erfahrungen.

Was, denken Sie, dürfen Kulturklassen auf keinen Fall sein? Ein kostspieliges Leuchtturmprojekt! Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass sich das Projekt auch nach den zwei Jahren realisieren, sprich finanzieren lässt. Das Konzept wurde so gestrickt, dass es mit wenig finanziellen und personellen Mitteln auskommen kann, aber einen größtmöglichen Nutzen davonträgt. Wir suchen eine Balance aus qualitativ hochwertigen Projektangeboten und adäquater Bezahlung. Wir freuen uns sehr, dass sich das Projekt trägt und wir bereits jetzt schon vielversprechende Gespräche für die Weiterführungsphase führen.

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