KOOPERATIONEN UND
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/// Gestatten: Die Neue vom MIXED UP Wettbewerb



07.07.2011 - Der Wettbewerb für Kooperationen zwischen Schulen und kulturellen Bildungspartnern – MIXED UP hatte eine Neue: die Jugendjury

Christina Schneider (23) gehört zu der neuen Jugendjury des MIXED UP Wettbewerbes. Bedeutet: Sie ist Mitglied der Jugendjury seit 2011. Nach ihrem Abi hat Christina ein FSJ-Kultur gemacht. Jetzt hat sie gemeinsam mit ihren vier Kollegen*innen innerhalb des MIXED UP Wettbewerbes 2011 nach einer guten Idee gesucht wie man Kultur und Schule optimal verzahnen kann. Ausgewählt hat die Jugendjury die Ohrlotsen des Motte e.V. in Kooperation mit diversen Hamburger Schulen. Die Jury-Begründung: Durch kritisch reflektierende und künstlerisch-ästhetische Arbeit mit auditiven Medien werden hier Kinder zur Partizipation an öffentlicher Meinungsbildung angeregt und setzen eigene künstlerische Ausdrucksformen in Hörspielen und anderen Radiobeiträgen um. "Das Kultur macht Schule"-Team hat Christina Schneider gefragt wie die Jugendjury das herausgefunden hat und ...

 

Wie arbeitet man als Jugendjury-Mitglied? Was ist bei Ihnen anders als bei einer Erwachsenenjury?

Wir haben eben eine andere Perspektive. Unsere Schulzeit ist noch nicht so lange her und wir nehmen eher den Blickwinkel der Schüler ein, wenn wir ein Projekt beurteilen. Im Februar haben wir uns das erste Mal getroffen. Da haben wir zunächst herausgearbeitet, nach welchen Kriterien wir die Projekte bewerten. Die Projektunterlagen mussten wir bis zu unserem zweiten Treffen im Juni in Berlin durchlesen. Außerdem haben wir uns die Internetseiten der Projekte angeguckt und haben, wenn vorhanden, Videos dazu gesichtet. Jedes Jurymitglied hat sich zunächst alleine zu Hause seine Gedanken gemacht. Wir haben auch mal telefoniert, aber erst bei dem letzten Jury-Treffen in Berlin haben wir unsere Ergebnisse verglichen und diskutiert.

Weshalb haben Sie persönlich sich als Jurymitglied für den MIXED UP Preis 2011 engagiert?

Es war für mich selbst spannend, Projekte kennen zu lernen, mit denen man Möglichkeiten zur kulturellen Teilhabe in die Schule bringt. An meiner Schule gab es keine Möglichkeit, in diesem Sinne zu partizipieren. Das hat mich als Schülerin total geärgert. Erst jetzt, bei meinem sozialen Jahr Kultur bei TUSCH in Berlin (Anmerk. d. Redaktion: Theater und Schule Berlin), habe ich gesehen, dass es so etwas an Schulen geben kann. Und jetzt als Jurymitglied an einer Stelle zu sitzen, an der ich mitentscheiden konnte, welche Projekte gefördert werden, das war toll. Allerdings sind so viele gute Projektideen eingesendet worden, dass die Entscheidung sehr schwierig war...

Sie haben gesagt, Sie können sich noch gut in die Situation der Schüler und Schülerinnen hineinversetzen. Ist man da nicht schon nach 1 –2 Jahren nach Schulabschluss herausgewachsen?

Die Struktur der Schule ist doch gefühlt seit über 100 Jahren ungefähr gleich geblieben, das ändert sich auch in ein paar Jahren nicht. Außerdem habe ich viel Austausch mit Schülern und Schülerinnen. Die berichten mir von genau den selben Gefühlen, die ich zu meiner Schulzeit gehabt habe.

Die da wären?

Der Ärger, wenn man mit seinen Ideen und Engagement vor die Wand fährt; nicht gehört wird. Wenn man mit dem Argument abgebügelt wird, der Aufwand für die Lehrer sei zu groß. Als Schülersprecherin habe ich mit einem Team mal ein Konzept herausgearbeitet, wie man an unserem Gymnasium eine Projektwoche einrichten könnte. Wir sind dann zum Direktor, um es vorzustellen. Der hat sich das Konzept noch nicht mal angehört, uns bloß etwas von zu viel Belastung für die Lehrer erzählt.

Was können Kultur-Projekte an Schulen da bringen?

Sie können den Blickwinkel verändern: Je mehr kulturelle Projekte an Schulen stattfinden, desto besser kann man zeigen, dass mit einer gesamtheitlichen Ansprache der Schüler auch Lernleistungen verbessert werden können.

Und die Lehrer? Egal, wenn die von kulturellen Projekten an der Schule überfordert werden?

Als Schülerin hätte ich das vielleicht so gesehen. Von daher ist es ganz gut, dass wir aus der Jugendjury nicht mehr zur Schule gehen. Jetzt hat mich das FSJ-Kultur auch für die Lage der Lehrer sensibilisiert. Nun denke ich: Sinnvolle Projekte müssen die Lebenswirklichkeit an Schulen wahrnehmen. Es gibt eben so etwas wie Lehrpläne und Leistungsabfrage.

Haben sich die Mitglieder der Jugendjury deshalb auch für die "Partizipation" im Wettbewerbstitel eingesetzt?

Ja. Partizipation bedeutet Mitbestimmung, das Recht, gehört zu werden. Das ist mehr als eine Beteiligung, bei der jemand den Schülern eine Teilhabe netterweise abgibt. Bei meiner Sichtung der Projekte habe ich deshalb auch genau geguckt, ob da jemand schreibt "die Kinder lernen das und das" oder "wir, die Gruppe, haben das und das gemacht". Sehr wichtig war für mich auch, ob in den Projektunterlagen ein ausführliches Schülerfeedback vorhanden war.

Neben der Partizipation wurde von den Projekten auch Raum für Selbstorganisation der Schüler/Schülerinnen gefordert. Was verbinden Sie denn damit?

Euphorie und strahlende Augen! Kinder und Jugendliche finden das gut, wenn sie selbst etwas entscheiden und organisieren dürfen. Das vermittelt das Gefühl, ernst genommen zu werden. Ich glaube aber auch, dass es bei dieser Selbstorganisation schneller zu Frustration kommt, wenn es dann nicht funktioniert. Da müssen dann Künstler und Lehrer auf gleicher Augenhöhe Hilfestellung geben. Bei der Bewertung der Projekte habe ich deshalb auch darauf geschaut, ob sie Schüler aus der Konsumhaltung rausholen. Aber ein Konzept, das den Lehrer in die Rolle der Spaßbremse drängt, die alles regeln muss, und den Künstler zum Helden aufbläst, der kommt, um die Schüler zu retten, das funktioniert aus Jury-Sicht nicht. Hier braucht man eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Und genau diese Projekte hat die Jugendjury herausgelesen. Wir haben uns nach langen Diskussionen dann einheitlich für ein Projekt entschieden, eben für die Ohrlotsen aus Hamburg.

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