KOOPERATIONEN UND
BILDUNGSLANDSCHAFTEN

 BKJ    Weitere Aktivitäten im Fachbereich Kooperationen und Bildungslandschaften



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/// Neue Schritte auf dem Weg zur Kulturschule



28.04.2011 - Ein Interview mit Tom Braun, Bildungsreferent der BKJ, zum neuen Programm "Kulturagenten für kreative Schulen"

Die wissenschaftliche Auswertung des Modellprojekts "Lebenskunst lernen" hat gezeigt: 80 % der befragten Lehrer*innen sind zutiefst überzeugt von der Sinnhaftigkeit kultureller Kooperationsangebote und wünschen sich vor allem eine Horizonterweiterung für ihre Schule. Hurra! Interessant ist: 66 % der selben Lehrer*innen geben gleichzeitig an, dass sie sich in ihrer Arbeit von den Kulturangeboten gestört fühlen. Und das obwohl sie sich nach wie vor mehr ästhetisch-künstlerisches Lernen in ihrer Schule wünschen.

 

Was bedeuten diese Widersprüche, Herr Braun, bahnt sich da auf dem Weg zur Kulturschule ein Stopp and Go an?

Die Zahlen machen auf Störfaktoren aufmerksam. Störfaktoren, die bisher nicht angegangen werden konnten, weil sie in der Gestaltung der Schulen liegen. Kulturelle Angebote an Schulen sind bisher immer noch zu häufig zusätzliche Angebote, denen ein temporärer Schutzraum eingeräumt wird. Da es aber keine strukturell verankerte Unterstützung für die beteiligten Lehrer gibt, hat das zur Folge, dass die Toleranz für diesen Schutzraum ein zeitliches Verfallsdatum hat.

Was bedeutet das im Klartext?

Für die beteiligten Lehrer fällt Mehrarbeit an und sie sind sozialem Druck ausgesetzt, beides können sie nur für einen begrenzten Zeitraum schultern. Zusätzliche kulturelle Angebote sind bisher eben, aus Sicht der Schulen, oft willkommene Ausnahmen, aber nicht originärer Bestandteil des schulischen Selbstverständnisses.

Nun gibt es aber ja auch langfristige Kooperationen ...

Ja, und die Einrichtungen, die über langfristige Kooperationen mit Schulen verfügen, melden zurück, dass für sie ein spezieller "Schultyp" ein besonders verlässlicher Kooperationspartner ist: Schulen mit einem kulturellen Schulprogramm. Diese Schulen haben vor allem in der Gesamtkonzeption für ihre Schulkultur, also für das gemeinsame Lernen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Unterricht und außerhalb des Unterrichts, mehr Raum gegeben. Hier können, das zeigt die Praxis, nachhaltige Kooperationsstrukturen aufgebaut und gestaltet werden.

Aus Erfahrung weiß man: Prinzipiell ist Wertschätzung für Kunst und Kultur an Schulen vorhanden. Wie kann man die Schulen darin bestärken, Strukturen zu schaffen, die ein fächerübergreifendes Angebot ermöglichen?

Dafür muss man die Schulen jetzt darin unterstützen, die Bedürfnisse ihrer Schulgemeinschaft zu ermitteln. Denn es gilt, zweierlei zusammenzubringen: Zum einen, die Bedürfnisse der in den unterschiedlichsten Aufgaben in der Schule tätigen Menschen. Diese sind die Basis für alle Aktionen und Reaktionen in der Schule. Zum anderen: Eine neue Bildungsqualität! Die wird nur erreicht, wenn Kunst und Kultur ihren Eigensinn bewahren können. Um diese beiden Punkte zusammen bringen zu können, brauchen die Lehrerinnen, Lehrer, Eltern und Schüler eine Beratung, die sowohl die schulischen Bedürfnisse erkennen kann als auch die Möglichkeiten ästhetisch-künstlerischer Praxis kennt.  

Welche Rolle spielt hierbei das Programm "Kulturagenten für kreative Schulen"? Was verbirgt sich dahinter?

Das Modellprogramm "Kulturagenten für kreative Schulen" ist eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator. Das Programm beginnt in dem Schuljahr 2011/2012 in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen an insgesamt bis zu 150 Schulen und wird in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und der Deutschen Kinder und Jugendstiftung umgesetzt.

Was sind die Ziele des Programms?

Teilhabe an Kunst und Kultur soll fester Bestandteil des Alltags von Kindern und Jugendlichen werden. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kunst Wertschätzung erfährt, sich entfalten kann und die Auseinandersetzung mit ihr geführt wird.

Was heißt das konkret?

Für den Zeitraum von vier Jahren werden sogenannte Kulturagenten an Schulen eingesetzt, die gemeinsam mit den Schülern, Lehrern, der Schulleitung, Künstlern und Kulturinstitutionen ein umfassendes und fächerübergreifendes Angebot der Kulturellen Bildung entwickeln damit langfristige Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen stattfinden können. Für die Personen, die Kulturagenten werden möchten, wird es im Mai eine Ausschreibung auf den Seiten der Stiftungen geben. Informationen finden schulerfahrene Fachkräfte aus Kultur, Schule und Weiterbildung auch unter www.kulturagenten-programm.de.

Welche Aufgabe übernimmt die BKJ hierbei?

Die BKJ ist in die konzeptionelle Vorbereitung des Programms aktiv eingebunden gewesen und ist nun Kooperationspartner für die Länder Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. In beiden Ländern werden Landesbüros eingerichtet, die die beteiligten Schulen und die Kulturagenten begleiten und Fortbildungen anbieten. In Baden-Württemberg liegt die Leitung des Landebüros bei der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung. In NRW ist das Landesbüro bei der BKJ-Geschäftsstelle angesiedelt.

Stichwort Nachhaltigkeit: Wie bettet sich das Projekt in die bisherige Strategie der BKJ ein?

Das Modellprogramm flankiert die anderen Vorhaben der BKJ im Bereich "Kultur macht Schule". Dazu gehört auch die Entwicklung einer Methodologie für die nachhaltige Entwicklung kultureller Schulprogramme. Ein Signal für die dezidiert konzeptionelle Auseinandersetzung mit dem Thema war z.B. die Verleihung des MIXED UP-Sonderpreises "Kulturschule" in 2008 an die Louise Schröder Schule aus Hamburg. Seitdem hat die BKJ das Thema weiter verfolgt. In unseren Büchern "Auf dem Weg zur Kulturschule" und dem im Mai erscheinenden Buch "Lebenskunst lernen in der Schule" haben wir die weiterführenden Überlegungen zusammengefasst. Wir haben deshalb vor, zukünftig Partnerschulen zu begleiten, die Interesse haben, sich an einer Praxisforschung zur kulturellen Profilbildung von Schulen zu beteiligen.

Wo gliedern sich da die Kulturagenten an?

Die Beteiligung am Modellprogramm "Kulturagenten für kreative Schulen" stellt einen ergänzenden Baustein im Engagement der BKJ dar, von dem wir uns viele Anregungen erhoffen. Bei der Entwicklung kultureller Schulprogramme interessiert uns vor allem die Frage nach den Transfermöglichkeiten. Alle unsere Projekte stehen immer unter der Fragestellung, welche Erfahrungen nicht nur vergleichbar, sondern vielleicht sogar verallgemeinerbar sind.

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