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/// Kulturelle Schulentwicklung braucht kommunale Unterstützung



Das Ziel kultureller Schulentwicklung ist es, allen Kindern und Jugendlichen eine künstlerisch-kulturelle Bildungsbiografie zu ermöglichen. Eine komplexe und wahrlich keine einfache Aufgabe für Schulen. Wie Kommunen die Entwicklung eines Kulturprofils von Schulen unterstützen können, beleuchtet Brigitte Schorn von der Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung NRW“ in ihrem Beitrag.

Kulturelle Schulentwicklung braucht kommunale Unterstützung

von Brigitte Schorn

Kulturelle Bildung findet an vielen Orten statt: in der Schule, in Kindertagesstätten, in Kulturinstitutionen, Jugendkultureinrichtungen, soziokulturellen Zentren und in den unterschiedlichsten Settings in formalen, non-formalen und informellen Bildungsbereichen. Diese Vielfalt ist notwendig und gewollt und wird in vielen Kommunen gezielt gemanagt mit dem Ziel, allen Kindern und Jugendlichen in allen Lebensaltern, unabhängig vom Stadtteil, der familiären und kulturellen Herkunft eine große Bandbreite von kulturellen Bildungsmöglichkeiten zugänglich zu machen. Kommunen, die die Kulturelle Bildung zu einem jugend-, kultur- und bildungspolitischen Schwerpunkt gemacht haben, verorten innerhalb ihrer Verwaltung das Aufgabenfeld meist in der Kulturverwaltung, mitunter aber auch im Bildungsressort, seltener im Bereich Jugend. Eine solche „Koordinierungsstelle Kulturelle Bildung“ arbeitet ressortübergreifend und bezieht i. d. R. die Expertise aller relevanten Abteilungen mit ein. Sie ist eine Informations- und Anlaufstelle für die einzelnen Akteur*innen und Institutionen, sie ist aber auch eine Koordinierungs- und Vernetzungsstelle, die zum einen die Aktivitäten der kommunalen Ämter miteinander verzahnt, die aber auch die verschiedenen Bildungswelten und ihre Angebote abstimmt und vernetzt. Durch geeignete Organisationsformen wird Vermittlung und Vernetzung ebenso gesteuert, wie die gezielte Entwicklung neuer Formate, langfristiger kommunaler Strategien und Gesamtkonzepte für Kulturelle Bildung.

Für Schulen, die ein kulturelles Schulprofil entwickeln wollen, ist diese kommunale Unterstützung unverzichtbar. Schulen, die in allen Dimensionen und Bereichen von Schule die Rolle des Ästhetischen stärken wollen, können das im umfassenden Sinne nicht alleine umsetzen. Kulturelle Schulentwicklung bedeutet u. a. „regelmäßig und qualifiziert erteilter Fachunterricht in den künstlerischen Fächern, es bedeutet, künstlerische Arbeitsformen und/oder ästhetische Sichtweisen auch in nichtkünstlerischen Fächern zu praktizieren. Es bedeutet ein reichhaltiges Angebot an außerunterrichtlichen kulturellen Aktivitäten wie Schulorchester und -chor, Theater- und sonstigen AG‘s, es bedeutet regelmäßige Kooperation mit Kultureinrichtungen und Projekte mit Künstler*innen in und außerhalb der Schule. Auch die gegenständliche und soziale Umgebung sollen eine solche Dimension aufweisen“ (Fuchs 2012: 23f). Kulturelle Schulentwicklung ist ohne Öffnung in die Kommune, ohne Kooperation mit Kultureinrichtungen und -akteuren nicht denkbar. Schulen auf dem Weg zum Kulturprofil brauchen hierfür Information, Beratung und Vernetzung.

Kommunen bieten Information, Beratung und Vernetzung

In der Regel sind den Schulleitungen und engagierten Lehrkräften die außerschulischen Partner im Umfeld der Schule nicht bekannt. Überdurchschnittlich viele Lehrer*innen pendeln von ihrem Wohnort zum Schulstandort. Schulen sind oftmals unsicher, an wen sie sich wenden können und ob sie den im Internet recherchierten Informationen vertrauen können. Auch die Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten können sie selbst nicht beantworten, da ihnen die Projektförderung im Bereich der Kultur- und Jugendarbeit oftmals nicht bekannt ist.

Auf unterschiedliche Weise bedienen kommunale Koordinierungsstellen für Kulturelle Bildung diesen Informationsbedarf. Sie bieten regelmäßig Veranstaltungen an, in denen Schulen mögliche Partner kennenlernen können. Sogenannte Kontaktbörsen oder Netzwerkkonferenzen ermöglichen es Schulleitungen und Lehrkräften passgenaue Angebote kennen zu lernen. Ein Beispiel für eine kommunale Koordinierungsstelle ist die Konferenz des Netzwerks für Kulturelle Bildung in der StädteRegion Aachen – kurz: KuBiS-Konferenz. Weitere Informationen zum KuBiS Netzwerk

Viele Kommunen erstellen auch Webportale, die als erste Informationsquelle dienen. Noch intensiver gestaltet sich das gegenseitige Kennenlernen durch gezielte, moderierte Besuche in Kultureinrichtungen. Die Schulen werden in solchen Modellen eingeladen, einen „Lehrer*innen-Wandertag“ in Museen, im Theater, in der Jugendkultureinrichtung zu nutzen, um sich vor Ort über die Akteure und ihr Angebot, ihre Arbeitsweisen zu informieren. Über die lokale Ebene hinaus stellen manche Bundesländer regional und kommunal relevante Informationen auch in einem landesweiten Portal zur Verfügung, sodass sich Schulen über Lernorte im nahen und weiteren Umfeld informieren können. Mit der „Pädagogischen Landkarte NRW“ steht in Nordrhein-Westfalen im Internet ein kostenfreier Service zur Verfügung, der Schulen aller Schulformen und anderen pädagogischen Einrichtungen einen Überblick über außerschulische Lernorte in ganz NRW gibt. Für die aufgenommenen Lernorte wird garantiert, dass sie Schulklassen oder anderen Lerngruppen während des Besuchs ein verlässliches und qualifiziertes Bildungsangebot bieten.

Kommunen mit strukturell verankerten, kommunalen Gesamtkonzepten für Kulturelle Bildung sind je nach ihrer inhaltlichen Konzeption und ihren Ressourcen häufig in der Lage, Schulen in ihrer kulturellen Schulentwicklung zu begleiten. Dieses Engagement der Kommunen folgt dem Leitgedanken, möglichst allen Kindern und Jugendlichen eine künstlerisch-kulturelle Bildungsbiografie zu ermöglichen. Dabei arbeitet eine starke Verantwortungsgemeinschaft von Partnern auf Augenhöhe zusammen: Schulen, Schulträger, Träger des Ganztags, untere und obere Schulaufsicht, das Bildungs- und Kulturbüro, das Jugendamt und außerschulische Kultureinrichtungen sowie Künstler*innen aller Sparten. Einige Kommunen beraten nach und nach die interessierten Einzelschulen, andere arbeiten in kleineren Netzwerken, von deren Erfahrungen in einem moderierten Wissenstransfer weitere Schulen profitieren. Die Kommunen berücksichtigen dabei nicht nur die schulischen Interessen. Sie tragen auch Sorge für ein gleichberechtigtes Miteinander der Akteure ebenso wie für die Gestaltung von Freiräumen, in denen Kinder und Jugendliche außerhalb von Schule ihren kulturellen Interessen nachgehen können. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Oberhausen, die Informationen auf ihrer Website zur Verfügung stellt.

Das Netzwerken der Schulen untereinander, das von- und miteinander Lernen können kommunale Koordinierungsstellen gut initiieren und begleiten. Sie laden beispielsweise Schulen ein, sich über ihre individuellen Strategien zur nachhaltigen Verankerung von kulturellen Angeboten auszutauschen. Unterstützung bieten sie auch bei der Ausformulierung von Kooperationsvereinbarungen: Welche Aspekte muss eine solche Vereinbarung enthalten? Welche Absprachen sind im Vorfeld zu treffen? Wer übernimmt welche Aufgaben?

Ein wichtiger Aspekt zum Gelingen kultureller Schulentwicklung ist auch die Frage, wie außerschulische Lernorte von Schulklassen erreicht werden können. Gesamtstädtische oder regionale Lösungen in Kooperation mit den Verkehrsbetrieben sind für Kommunen leichter zu erwirken als für die Einzelschule.

Viele Bundesländer haben für die Umsetzung Kultureller Bildung Landesprogramme aufgelegt, die auch von Schulen genutzt werden können. Die Organisation und Abwicklung vor Ort wird nicht selten den Kommunen übertragen. Die Kommunen sind auch hier die Informanten und Mittler, sie unterstützen bei Antragstellung und konkreter Umsetzung.

Kulturelle Bildung ist ein komplexes Geschehen, an dem viele beteiligt sind. Kulturelle Bildung ist Koproduktion, das gilt auch für Schulen auf dem Weg zur kulturellen Schulentwicklung. Die Kooperation der verschiedenen Akteure mit unterschiedlichen Handlungslogiken und unterschiedlichen Verantwortlichkeiten ist nicht selbstverständlich. Kooperation braucht Moderation, Motivation und Unterstützung. Kommunen, die dieses Aufgabenfeld für sich erkannt haben und innerhalb der städtischen Verwaltung ressortübergreifend klare Strukturen verankert haben, können viel dazu beitragen, dass Schulen die Ziele erreichen, die sie sich als Schule mit kulturellem Profil gesetzt haben.


Brigitte Schorn leitet seit 2009 die Arbeitsstelle „Kulturelle Bildung NRW“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Beratung von Schulen und Kultur- und Jugendfreizeiteinrichtungen bei der Profilbildung und Kooperation mit Partnern sowie die Prozessbegleitung von Kommunen bei der Entwicklung kommunaler Gesamtkonzepte für Kulturelle Bildung. Zuvor war sie u. a. als Bildungsreferentin bei der Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste/Jugendkunstschulen NRW (LKD e. V.) sowie viele Jahre bei der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) tätig.


Literatur

Fuchs, Max (2012): Die Kulturschule. Konzept und theoretische Grundlagen: S.23f


Der Beitrag ist im Onlinemagazin Kooperationen und Bildungslandschaften der BKJ, Ausgabe Juni 2019, erschienen.

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